Baden-Württemberg verzeichnet über 47.000 Hektar Moorbodenfläche. Davon wird rund die Hälfte landwirtschaftlich genutzt, 90 % als Grünland, 10 % für Ackerbau. Doch was sind eigentlich Paludikulturen?
Zum Antrag: Drucksache 17 / 10121
Paludikultur (lat. palus "Sumpf") bedeutet die nachhaltige Nutzung von Moorflächen. Sie ermöglicht den Erhalt bzw. die Neubildung von Torf, stoppt THG-Emissionen und schützt somit das Klima. Kulturen wie Seggen, Rohrkolben, Rohrglanzgras, Schilf und Moos sind für das klimafreundliche Bauen besonders gut geeignet. Daneben gibt es zahlreiche weitere Verwertungen: als Papier- und Verpackungsmaterial, Bau- und Dämmstoffe, Pflanzenkohle, Torfersatz, Einstreu Dachdeckungen, Zäune, Sichtschutz sowie die Lignin-Gewinnung für Biokunststoffe, Bindemittel und Klebstoffe.
Forschungen und Pilotanlagen zur Nutzung der Kulturen finden wir schon eine Reihe im Land: bei Mercedes-Benz, an den Fraunhofer Instituten und der Uni Hohenheim. Die Outnature GmbH Neckarsulm testet derzeit in einer Prototyp-Anlage die Aufbereitung von Biomassenutzung aus dem Pfrunger-Burgweiler Ried. Ziel ist es, Wirtschaftsgüter wie Zellstoff für die Papierindustrie oder Torfersatz für den Hobby- und Profibereich zu entwickeln. Doch noch stehen in Baden-Württemberg große Hürden der Etablierung, Bewirtschaftung und Ernte entgegen. Es werden teure Spezialmaschinen und für neue Produkte große Abnahmemengen benötigt. Da aber unser Bundesland kleinflächig strukturiert ist, brauchen wir zusätzliche Anreize und Fördermaßnahmen.
Noch hängen Wirtschaftlichkeit und Marktpotenzial stark von Subventionen (Kosten der Wiedervernässung, Wertverlust der Fläche) ab. Für die Nachfrage wird aber eine gute bis sehr gute Nachfrage für diese klimafreundlichen Stoffe prognostiziert. Aufgrund der notwendigen Dekarbonisierung wird u. a. im Bausektor eine steigende Nachfrage angenommen. Auch der künftige Bedarf an Cellulose und Fasern tragen zum steigenden Bedarf an Paludikulturen bei. Die energetische Nutzung wird aufgrund der Konkurrenz durch NaWaRo hingegen weniger gut prognostiziert.
Vom Bund wird im Rahmen des ANK zeitnah die Förderrichtlinie „Maßnahmen zur dauerhaften und weitgehenden Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden und zur Unterstützung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung wiedervernässter Moorbodenflächen“ erwartet. Wie oben erwähnt, dürfte deren Umsetzung in BW aufgrund der Eigentumsstrukturen (mind. fünf ha je Antragsteller) schwierig sein. Hervorzuheben im Moorschutz sind das Engagement des Greifswald Moor Centrums sowie der toMOORow-Initiative. Letztere wurde ins Leben gerufen, um die Akteure entlang der Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft bis zum Einzelhandel zu bündeln und den Austausch von Wissen und Technologien zu beschleunigen.
Der Landesregierung ist die Notwendigkeit einer Förderung für die moorbodenerhaltende Landnutzung mittlerweile bewusst, sodass Ende 2025 eine Förderung über die Landschaftspflegerichtlinie B für zuvor wiedervernässte Flächen anlief. Langfristig wird eine Förderung z. B. über FAKT II angestrebt.
Ich bin froh, dass wir im Landtag 10 Stellen an den oberschwäbischen Landratsämtern zur Unterstützung sowie als Ideengeber für Maßnahmen und die Begleitung von Vorhabenträgern genehmigt haben. Die Aufgaben umfassen auch die Schaffung der Genehmigungsvoraussetzungen. Auch das ANK-Regionalbüro Fachstelle Moor und Natürlicher Klimaschutz beim RP Tübingen hat zu Jahresbeginn die Arbeit aufgenommen.