In Anbetracht der anstehenden Landtagswahl am 8. März, möchte ich über die Bedeutung der Energie- und Rohstoffwende sowie die Bausteine der Energiewende informieren.
Warum ist beides, die Energie- und die Rohstoffwende, für uns Menschen so wichtig? Warum hat es auch bei den Wahlen zum Landtag von Baden-Württemberg so große Bedeutung?
Welche Vorteile haben wir, wenn wir Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft für Erneuerbare Energieträger bei uns vor Ort nutzen?
Die Energie- und Rohstoffwende
- fördert effektiven Klimaschutz durch CO₂-neutrale Energieerzeugung, verringert die Umweltverschmutzung und vermeidet weiteren Atommüll.
- macht uns von schwierigen, unzuverlässigen Drittländern unabhängiger, schützt uns vor Erpressung und steigert damit auch die Versorgungssicherheit.
- stärkt durch weniger Rohstoffimporte (Öl, Gas, Kohle) die Versorgungssicherheit und macht uns unabhängiger von geopolitischen Konflikten. Fossile Rohstoffe bleiben im Boden, wo sie hingehören.
- fördert Wertschöpfung und Wirtschaftskreisläufe bei uns vor Ort
- bringt Arbeitsplätze vor Ort.
- kann durch vor Ort produzierte und genutzte Energie die Netze entlasten und Bürger*innen zu Prosumern (Produzenten + Konsumenten) machen.
- nutzt unerschöpfliche Energie- und Rohstoffquellen (Wind, Sonne, Wasser, Abfälle, Reststoffe, …) und lässt langfristig die Kosten für erneuerbare Energien sinken. Dies führt zu ehrlichen und stabilen Energiepreisen.
Quelle: http://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/DE2024_ISE_Studie_Stromgestehungskosten_Erneuerbare_Energien.pdfDie Grafik vom Fraunhofer-Institut verdeutlicht über die (betriebswirtschaftlichen) Stromgestehungskosten, welche Energiebausteine für die Zukunft in Frage kommen, die dann noch mit entsprechenden Speicherbausteinen ergänzt werden müssen.
Bausteine der Energiewende
Biomasse und Biogas liefert bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Energiebereitstellung und ist dann weiter sinnvoll, wenn Stromnutzung zur Spitzenabdeckung eingesetzt, die anfallende Wärme genutzt wird und die verbleibenden Gärprodukte wertvoll verwendet werden.
- Netzdienlichkeit: Sowohl Strom wie Wärme kann bedarfsorientiert gewonnen bzw. gespeichert werden. In einem gewissen Maß bringen sie dadurch Reduktion von Spitzenlastkraftwerken und tragen zur Netzstabilität bei.
- Benötigte Betriebsstoffe: liefern Forst- und Landwirtschaft als Reststoffe oder direkt angebaute Masse im Rahmen regionaler Kreisläufe.
Photovoltaik ist eine tragende Säule der Energieerzeugung. Durch die verschiedenen Bauvarianten gibt es unterschiedliche Einspeisungsprofile. Besonders sinnvoll ist die hybride Nutzung von Dächern, Parkplätzen, Baggerseen oder in der Landwirtschaft (Agri-PV). Hingegen muss Freiflächen-PV auf landwirtschaftlichen Flächen behutsam erfolgen.
- Kosten: niedrige Gestehungskosten je kWh.
- Netzdienlichkeit: Über Wetterprognosen kalkulierbar, ergänzt sich gut mit Windkraft, benötigt teilweise Speicher bei Überproduktion bzw. Sonnenflaute.
- Benötigte Betriebsstoffe: Sonnenenergie liefert uns die Natur kostenlos.
Agri-Photovoltaik ist eine besonders wertvolle Doppelnutzung, ohne landwirtschaftliche Fläche zu verbrauchen. Sie bietet zusätzliche positive Synergieeffekte, insbesondere bei Sonderkulturen (Obst, Beeren, Wein):
- Ist auch eine Klimaanpassungsmaßnahme: Schützt Pflanzen vor zu viel Sonne, mindert Austrocknung, schütz bei Spätfrösten, senkt den Wasserbedarf.
- Hagel- und Insektenschutz ist integrierbar.
- Mindert den Pestizideinsatz.
Windkraft ist aktuell eine tragende Säule der Energieerzeugung.
- Kosten: sehr niedrige Gestehungskosten je kWh.
- Netzdienlichkeit: Über Wetterprognosen kalkulierbar, ergänzt sich gut mit Photovoltaik, benötigt teilweise Speicher bei Überproduktion bzw. Windflaute. Onshore trägt sie zur Netzstabilität bei.
- Benötigte Betriebsstoffe: Wind liefert uns die Natur kostenlos.
- Umweltauswirkungen: Keine Abwässer, kein Müll, keine Abgase, kein Kühlwasserbedarf.
Wasserkraft: Mit 12% der derzeitigen Bruttostromerzeugung auch ein aktuell wichtiger Baustein. Liefert Grundlast, kann aber auch in Pumpspeichern oder mit Speichervolumen zur Spitzenlastabdeckung genutzt werden.
- Teilweise ökologischer Optimierungsbedarf notwendig.
- Netzdienlichkeit: Über Wetterprognosen kalkulierbar, dient der Netzstabilität.
- Benötigte Betriebsstoffe: Wasserenergie liefert die Natur kostenlos.
Geothermie leistet einen wichtigen Beitrag zur Bereitstellung von Wärme. Die Stromerzeugung ist teilweise möglich, aber mit schlechterem Wirkungsgrad. Insbesondere die Tiefengeothermie hat im Oberrheingraben und in Oberschwaben ein ungeheures Potential. Ich schätze es auf 75% der benötigten Wärme in Industrie, Gewerbe und Haushalten.
- Vorteile: Geringer Platzbedarf. Zusätzlich lassen sich Rohstoffe gewinnen. Aktuell auf dem Weg sind Vorhaben, zusätzlich Lithium aus den Thermalwässern zu extrahieren.
Kein! Baustein der Energiewende
Atomenergie ist zwar ein CO₂-ärmerer, aber ein sehr gefährlicher Energiebaustein und keineswegs ein hilfreicher! Dies gilt gleichermaßen für herkömmliche Reaktoren, Überlegungen für neue Bautypen (Dual-Fluid-Reaktoren, HTR mit Thoriumcarbid) oder sogar die Kernfusion.
- Kosten: Die Atomkraft erfordert höchste Gestehungskosten je kWh ohne die weiteren Kosten wie Endlagerung usw. zu berücksichtigen. Kosten werden i.d.R. durch die Steuerzahler*innen getragen.
- Netzdienlichkeit: Atomkraftwerke sind schlecht regelbar und können sich dem Strombedarf wenig anpassen, benötigen deshalb ausgleichende Techniken (z. B. uneffektive Nachtspeicherheizungen sowie weitere Speicher).
- Benötigte Betriebsstoffe: Uran oder andere radioaktive Stoffe, Kühlwasser aus Flüssen (kann in warmen, trockenen Jahren nicht mehr ausreichend gewährleistet werden).
Sollten zukünftige Techniken sicher und bezahlbar sein und keine Folgeprobleme verursachen, spricht nichts dagegen. Dies ist derzeit nicht absehbar.